Dein Partner versteht dich nicht? – Wahrscheinlich tappst du in diese Falle.
Bestimmt hast du so etwas Ähnliches schon zu deinem Partner oder deiner Partnerin gesagt: „Ich fühle mich nicht ernst genommen!“ – und erwartet, dass er / sie dich versteht. Doch statt Verständnis gab es Streit.
Dabei hast du doch bloß mitgeteilt, wie du dich fühlst, oder? Leider nein. Denn so eine Aussage tarnt sich zwar als Gefühl – ist aber keins.
In diesem Artikel erkläre ich dir, was Gefühle sind, wie du sie erkennst und in welchem Zusammenhang sie mit Gedanken stehen. 3 Beispiele aus dem Leben zeigen dir außerdem, wie negative Gedanken Beziehungen überschatten können. Zum Schluss erfährst du, wie du deine Gefühle so mitteilen kannst, dass dein Partner / deine Partnerin dich versteht. Und damit das auch garantiert klappt, habe ich noch eine Mini-Übung für dich vorbereitet.
Was du davon hast: weniger Streit und mehr Verbundenheit in deiner Beziehung.
Dein Partner versteht dich nicht? Probiere es mit einer echten Gefühls-Botschaft.
Was sind Gefühle, und woran erkennst du sie?
Tatsächlich gibt es nur etwas mehr als eine Handvoll „echter“ (reiner) Gefühle. Ausgegangen wird von 4 bis 8 „Basisgefühlen“. In Paarbeziehungen spielen vor allem diese eine Rolle:
Freude
Traurigkeit
Wut
Angst
Gefühle sind nicht verhandelbar. Das heißt: Sie sind niemals falsch. Wenn sie auftauchen, dann haben sie einen Grund. Deshalb kann ein Satz wie „Sei nicht traurig!“ keine Hilfe sein. Denn wie sollst du deine Traurigkeit einfach abstellen, wenn es doch einen guten Grund dafür gibt?
Gefühle kannst du leicht entschlüsseln. Eigentlich. Als ich noch in der Schule gearbeitet habe (war das nicht in einem anderen Leben?!) und im Deutschunterricht Kommunikation auf dem Plan stand, habe ich das mit Schülern erprobt: Gefühle ohne Worte darstellen. Und das ist eine der leichtesten Übungen gewesen. Gebeugte Körperhaltung bei Traurigkeit; strahlende Augen bei Freude; geballte Fäuste und zu Schlitzen verengte Augen bei Wut. Tief verwurzeltes Wissen. (Anmerkung: Gefühle entstehen im limbischen System, einem Teil des Althirns.).
Wenn du wütend bist, hat das einen Grund. Immer!
Was sind Gedanken – und warum können sie deiner Beziehung schaden?
Gedanken entstehen aus deiner Beschäftigung mit dir selbst und deinem Umfeld. Das Ergebnis sind Interpretationen, Bewertungen oder Annahmen über eine Situation, einen anderen Menschen oder dich selbst.
Auch alte Glaubenssätze wie „Ich werde nicht ernst genommen.“ sind Gedanken. Wenn du z.B. öfter denkst, dass dein Partner / deine Partnerin dich nicht ernst nimmt, dann liegt dem wahrscheinlich ein Gedanke aus deiner Kindheit zugrunde. Vielleicht wurdest du öfter ausgelacht, wenn du etwas „Dummes“ gesagt hast, und bist so zu dem Schluss gekommen: „Niemand nimmt mich ernst.“ Und zack, hast du einen Glaubenssatz in dir etabliert, der heute noch in deinen Beziehungen (vor allem in deiner Paarbeziehung) wirkt.
Eine unbeschwerte Kindheit ist nicht die Regel.
Ein schöneres Beispiel: Ein Kind ist in einem liebevollen Elternhaus aufgewachsen. Die Eltern haben es unterstützt, eigene Erfahrungen zu machen. Und ihm Grenzen gesetzt, wo es notwendig war. Dieses Kind hat sich in einem sicheren Rahmen frei gefühlt. Verletzungen hat es kaum erfahren. Heute, als Erwachsener, geht er / sie deshalb mit dieser Grundhaltung durchs Leben: „Ich bin liebenswert, ich bin frei und ich bin sicher.“ Jemand, der so aufgewachsen ist, hat es in seinen Beziehungen natürlich viel leichter. Aber leider ist so ein Jemand ein eher seltenes Exemplar.
Vor allem negative alte Gedanken über dich selbst haben also ganz viel damit zu tun, ob es in deiner Beziehung rund läuft oder nicht. Wenn dein Grundgedanke ist, dass nahestehende Menschen dich nicht ernst nehmen, wirst du das immer wieder bestätigt bekommen. Wahrscheinlich wirst du sogar unbewusst dafür sorgen, dass das passiert – zum Beispiel, indem du Dinge so übertrieben / verzerrt darstellst, dass es lächerlich wirken muss.
Wie alte Glaubenssätze auf deine Beziehung wirken: 3 Beispiele aus dem Leben
In deiner Kindheit entwickelst du Gedanken über dich und dein Umfeld. Zu diesen Gedanken gehören bestimmte Gefühle. Und so entsteht schließlich dein Weltbild, das die Grundlage deiner Beziehungen ist.
Beispiel 1: „Ich muss es alleine schaffen – obwohl ich das gar nicht kann.“
Lisa ist das älteste von vier Kindern. Sie musste schon früh die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen, weil die Eltern selbstständig waren und wenig Zeit hatten. „Du bist die Große!“, hörte sie ständig. Das hat sie richtig wütend gemacht. Sie fühlte sich nicht groß. Sie wollte sich nicht kümmern. Sie war überfordert und hatte einen Hass auf ihre Geschwister. Aber es gab keinen Ausweg.
Heute ist sie stellvertretende Abteilungsleiterin und „macht den Job für ihren Chef mit“. Ihre Mitarbeiter fürchten ihre latent aggressive Art. Und ihr Mann hat sie verlassen, weil er sich nicht länger von ihr bevormunden lassen wollte.
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Beispiel 2: „Ich muss der Beste sein. Alles andere zählt nicht.“
Jürgen war ein Wunschkind und konnte früh laufen und sprechen. „Unser Sohn ist besonders begabt!“, hieß es immer wieder. Ständig und überall wurden seine besonderen Leistungen betont. In der Schule machte er ein 1er-Abi, im Sport war er einer der Besten. Der gesamte Fokus innerhalb seiner Familie lag auf (Höchst-)Leistung. Wenn er ausnahmsweise mal nur mittelmäßig abschnitt, hat der Vater sich enttäuscht abgewendet. Darüber war Jürgen sehr traurig.
Heute hat Jürgen große Probleme, mit Menschen in Verbindung zu treten. Die meisten gehen schnell auf Distanz, weil er sie mit seinem Wissen überschüttet. Seine Ehe ist gescheitert, denn er kann nur über sachliche Themen sprechen.
Klar, Erfolge tun gut. Aber in Beziehungen geht es um Liebe. Nicht um Leistung.
Beispiel 3: „Ich darf nichts wollen.“
Petra ist Einzelkind. Als Petra klein war, war ihre Mutter immer krank: Depressionen, chronische Rückenschmerzen, Migräne. Deshalb war vieles anders als bei anderen Kindern. Petra durfte keine Freundinnen einladen und auch ihren Geburtstag nicht feiern. Selbst zur Abiturfeier lag die Mutter krank im Bett. Wenn Petras Vater sich mal kritisch zum Verhalten der Mutter äußerte, bekam diese einen Weinkrampf. Das tat Petra dann schrecklich Leid, und sie kam zu dem Schluss: „Ich darf nichts wollen. Sonst geht es Mama noch schlechter, und ich bin schuld.“ Ihre Wut hat sie seitdem unterdrückt.
Heute arbeitet Petra in einer Klinik für psychisch Kranke. Das ist sehr anstrengend, vor allem, weil ihr die Abgrenzung schwerfällt. Oft geht sie über ihre Grenzen, weil ihr eine Patientin so Leid tut. Von Männern hat sie die Nase voll. Die gehen ja nicht auf ihre Bedürfnisse ein.
Solche Geschichten sind keine Ausnahme – sie sind der „Normalfall“ in unserer Gesellschaft.
Vielleicht erkennst du sogar jemanden aus deinem eigenen Umfeld in einem der 3 Beispiele. Oder dir ist dein eigenes Weltbild bewusst geworden, mit dem du deine Beziehungen gestaltest.
Stehst du in deiner Beziehung gerade auf dem Schlauch?
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Warum wir Gefühle und Gedanken oft verwechseln
Wenn du die 3 Beispiele im letzten Kapitel gelesen hast, ist dir vielleicht schon klar, warum das so ist.
Die unangenehmen Gefühle, die sich aus Erlebnissen in der Kindheit ergeben, sind Wut und Traurigkeit. Aber in der familiären Situation gab es keinen Raum dafür. Außerdem glauben alle Kinder, dass die Art, wie sie aufwachsen, „normal“ wäre; das heißt, sie kommen gar nicht auf die Idee, etwas im Außen in Frage zu stellen. Deshalb passen sie sich an; was sollen sie auch sonst machen? Sie können nicht überblicken, dass nicht sie selbst das Problem sind – sondern das Problem in der Familie, bei den Eltern liegt.
Was bis ins Erwachsenenalter (oft auch bis ans Lebensende) bleibt, ist die alte Überzeugung:
„Ich bin nicht gut genug.“
„Ich darf nicht laut sein.“
„Ich muss immer brav sein.“
„Niemand ist für mich da.“
…
Und so kommen dann verquere „Gefühlsäußerungen“ wie „Ich fühle mich nicht ernst genommen.“ zustande. Das dahinter liegende Gefühl (Traurigkeit oder Wut) ist logischer Weise gar nicht bewusst.
Wir haben also ganz früh gelernt, dass bestimmte Gefühle nicht sein dürfen.
Der Partner / die Partnerin kann meist auch nicht helfen. Er oder sie schleppt nämlich seine eigene Geschichte mit. Und glaube mir, die meisten Kindheitsgeschichten sind bei näherer Betrachtung alles andere als rosarot und zuckersüß.
Wenn wir mal ehrlich sind, wissen wir doch gar nicht, wie das geht: unsere Gefühle einfach mitteilen. Ein Satz wie „Ich fühle Wut.“ oder „Ich fühle Traurigkeit.“ ist ungewohnt, komisch und außerdem ein Tabubruch – sowas sagt man doch nicht!
Die Lösung
Eigentlich ist es ganz leicht. Es ist nur eine Entscheidung. Dann kannst du lernen,
zwischen Gedanken und Gefühlen zu unterscheiden,
dich klar, deutlich und ohne Vorwurf mitzuteilen und
bei deinem Partner / deiner Partnerin nachzufragen, ob dein Gedanke der Realität entspricht.
Dann sagst du nicht mehr: „Ich fühle mich nicht ernst genommen.“ (Was für deine/n Partner/in ein Angriff wäre.)
Du sagst stattdessen: „Ich fühle Ärger. Da ist der Gedanke, dass du mich nicht ernst nimmst. Stimmt das?“ (So machst du den Weg frei für einen Dialog, in dem Missverständnisse unmittelbar geklärt werden können. Und ganz nebenbei machst du wahrscheinlich eine neue Erfahrung: dass nämlich dein Bild der Welt überholt ist und dein alter Glaubenssatz mit der Realität nichts mehr zu tun hat.)
Der Grund zum Kämpfen fällt dann weg – und deine Beziehung wird leichter, entspannter, verbindlicher und glücklicher. ❤️
Übrigens: Auch in der Auszeit Neustart für eure Liebe steht klare, verbindende Kommunikation auf dem Programm.
Im Urlaub habt ihr Ruhe dafür - da kommen keine “ToDos” dazwischen!
Eine kleine Übung zum Abschluss
Stelle dir mögliche Situationen vor, in denen die folgenden „falschen Gefühle“ (auch Pseudogefühle genannt) geäußert werden könnten. Unterscheide dann zwischen dem Gefühl und dem Gedanken. Formuliere anschließend die Frage zum Realitäts-Check.
In der Praxis braucht das ein bisschen Übung. Aber probiere es in den nächsten drei Tagen doch mal im Kontakt zu deinem Partner. Ich wage die Prognose, dass er auf „korrekt“ formulierte Gefühle und Gedanken offener reagieren wird.
In der Theorie ist das ganz einfach. In der Praxis braucht es ein bisschen Übung.